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Rezension:
Und es war doch meine Heimat von Alexander Wutz – gelesen von Sabine Marya
In seiner Biografie „Und es war doch meine Heimat“ teilt der Autor mit dem Leser seine Erinnerungen aus seiner Heimzeit in Marktl am Inn und München, fern ab von allen Klischees.
Es ist kein Buch über eine Heimzeit, die Negativ- Schlagzeilen macht, sondern ein Buch, das still und leise daher kommt und mit viel Herzenswärme.
Alexander Wutz schreibt über seine Kindheit im Heim mit schönen und schlechten Erinnerungen und Erfahrungen und über die für den Autor prägenden Personen dieser Zeit, also die Klosterschwestern und Erzieher.
„Wenn mein Blick zurück geht, weit zurück auf Vergangenes, auf meine vergangenen Heimzeiten, dann schaue ich in eine Kiste mit den verschiedensten Erinnerungen: es sind gute und schlimme Erinnerungen. Ich sehe den kleinen Alex vor mir, mit seiner Sehnsucht nach Liebe und Geborgenheit, mit seinem Wunsch nach Freude und Freiheit ...“ So beginnt das Buch von Alexander Wutz.
Der Leser begleitet den kleinen Alex während seiner Zeit in dem von Nonnen geführten Haus im Bayern der 60er und 70er-Jahre, in dem er unter der Obhut der katholischen Kirche heranwächst. Im Nachhinein vergleicht der Autor seine Heimzeit mit einer bunten Blumenwiese. „Dieser Vergleich“, so schreibt er, „mag, so schade es auch ist, nicht für viele, die in Heimen lebten, zutreffen. Für viele war es oft leider nur ein Leben wie in einem Dornenfeld. Schmerzhaft und ohne Liebe. Was mich betrifft, war es aber so, wie auf einer bunten Blumenwiese.“
Es sind die besonderen Menschen in seiner Kindheit, die ihm dieses Gefühl schenken. Schwestern, die mit den Kindern spielen oder ihnen zwischendurch etwas Leckeres zustecken, die ihre Liebe weitergeben an die Kinder, die sie betreuen, obwohl die kirchliche Obrigkeit von ihnen vor allem erwartete, die Kinder zu disziplinieren und ruhig zu stellen und der Kirche und ihren Regeln zu gehorchen. Für Alex ist es besonders Schwester Clarissa, die er von ganzem Herzen liebt und mit der ihn eine ganz besondere Beziehung verbindet.
Alexander Wutz beleuchtet auch die schmerzlichen Erfahrungen: Schläge, für das Heim betteln gehen müssen, Demütigungen, Abschiede. Der Autor schreibt: „Oft fühle ich noch tiefen Schmerz und vergesse nicht die, die mir diesen Schmerz zugefügt haben. Disziplin in strengster Form war meistens die Devise meiner Erziehung. Ich hoffe aber, dass dieses immer wieder kehrende Aufflackern von negativen Gefühlen irgendwann aus mir verschwinden wird.“
Der Autor gibt Einblick in beide Waagschalen, doch er macht dieses ohne Verbitterung und Hass und das ist es, was den Leser auch dieses Dunkle im Buch aushalten lässt. Tiefes Mitgefühl war in mir, als ich manches las, was mich erschütterte. Aber Alexander Wutz lässt uns nicht erstarren im Schlimmen, sondern sagt immer wieder: „Vergessen aber darf und werde ich auch nicht die schönen Momente, die mir in Erinnerung geblieben sind.“
Dieses Buch ist eine Bereicherung für Menschen, die ebenfalls im Heim aufgewachsen sind und die sich darin wiederfinden können. Es ist eine gute Einstiegslektüre für alle, die im pädagogischen Bereich arbeiten wollen, weil es einen Blick auf Kinder öffnet. Durch seine leicht verständliche Sprache ist es auch für den Schulunterricht geeignet. Es ist ein lesenswertes Buch für Menschen, die Bücher mit Herzenswärme mögen und ebenso wie der Autor ein Herz für Kinder haben.
Was dieses Buch so besonders für mich macht, ist, dass Herr Wutz nicht nur seine Erfahrungen mit uns teilt, sondern er lässt uns auch teilhaben an seinen Reflektionen über Kindererziehung, Kirche, das Leben und die Bedürfnisse, Träume und Wünsche von Kindern. „Doch wer auch in die Herzen der Kinder schauen kann, ist ein Mensch voller Glück, denn er besitzt das größte Geschenk auf Erden. Er sieht in das Herz Gottes.“ sagt Alexander Wutz in seinem Büchlein „Sinnsprüche und gedankliche Erweiterungen“. Diese Worte sind gleichzeitig die Essenz des Buches „Und es war doch meine Heimat“ und dafür danke ich Herrn Wutz von ganzem Herzen.
Sabine Marya
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